Geschichte: Erich Krempel

Auszug aus der Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“:

Kunst von Krempel: Waffen der Schützen-Legende heiß begehrt

Suhl
„So ein stiller, bescheidener, in sich gekehrter Mensch – ich hätte damals nie gedacht, dass er früher mal ein Olympia-Held, ja ein Star war“, erinnert sich Alf Treumann an Erich Krempel. Der Vorsitzende der Zella-Mehliser Schützenvereinigung kannte die Legende noch persönlich. Thüringens Olympia-Zweiter von 1936 würde am Sonntag 100. Geburtstag feiern.

Erich Krempel
Erich Krempel (vorn, rechts) nahm auch im Alter noch an Wettkämpfen teil – hier 1986 in seiner Heimatstadt Suhl. Der einstige Meisterschütze, WM-Titelträger von 1939 und spätere Sportwaffen-Konstrukteur gab seine Erfahrungen als hervorragender Trainer weiter. Archiv-Foto: Imago

„Eine Extra-Ehrung wird es nicht geben – aber er bleibt unvergessen“, sagt Treumann über den am 26. September 1992 verstorbenen früheren Meisterschützen und späteren Sportwaffen-Konstrukteur. „Sein Erbe ist hochinteressant, seine Waffen sind legendär – Thüringen kann stolz auf ihn sein“, weiß Peter Arfmann, der Leiter des Waffenmuseums Suhl.
Während die Zella-Mehliser alljährlich ihren Krempel-Gedächtnispokal ausrichten und in Suhl eine Straße nach ihm benannt ist, hat Arfmanns Haus dem Sohn der Stadt eine aktuelle Sonderausstellung gewidmet, in welcher der 2011 erworbene Nachlass aufbereitet ist.
„Seine Duelle mit dem schwedischen Dauerrivalen Torsten Ullmann fesselten in den späten 1930er-Jahren die Nation“, blickt Arfmann zurück. Einen Volltreffer landete Krempel bei den Spielen 1936 in Berlin – mit einer vom Suhler Büchsenmacher Götz hergestellten Waffe. Als Außenseiter und bis dahin jüngster Olympiaschütze aller Zeiten eroberte er am 7. August auf dem Stand in der Nähe des Wannsees mit 22 Jahren eine Medaille. Silber mit der Freien Pistole hinter dem Weltrekord schießenden Ullmann! Nach dem ersten Tag hatte er sogar das Feld angeführt. Dennoch: Er war der erste Thüringer, der in diesem Metier glänzte und damit eine Olympia-Tradition begründete.
Weltkrieg verhinderte Thüringer Olympiasieg

Krempel in Aktion – das gab es daraufhin auch im Kino, in Leni Riefenstahls umstrittenen, weil körperverherrlichenden Olympia-Film. Auch im Video der Rockband Rammstein zum Song „Stripped“ (1999/Beta-Version), das Teile des Werkes verwendet, sieht man Krempel schießen.
Doch der ruhige, in der Jugend schüchterne Mann mochte öffentliche Auftritte nicht. Er war lieber Technik-Tüftler im Kämmerlein. Seit seiner Lehre als Werkzeugmacher interessierte er sich für das Sportschießen. Vom ersten selbstverdienten Geld kaufte er sich einen „Zimmerstutzen“ und wurde Mitglied der Schützengesellschaft Suhl-Henneberg. Erste Erfolge errang er 1934. Die Olympia-Nominierung zwei Jahre später, nicht etwa die Medaille, sah er als den Höhepunkt seiner Laufbahn an. Die Krönung folgte am 6. Juli 1939: Bei der WM in Luzern bezwang er endlich Ullmann mit einer Thüringer Pistole. Suhls Stadtrat ließ 500 Reichsmark springen.
Ein Jahr später bei Olympia in Tokio wäre er Top-Favorit gewesen – doch die Spiele fielen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.
1945 besaß Krempel fünf Sportpistolen, die aus Sicherheitsgründen im Tresor einer Suhler Bank aufbewahrt wurden. Im Frühjahr, beim Einmarsch der amerikanischen Truppen, verschwanden die Waffen. „Vor einigen Jahren tauchte eine der Pistolen in den USA auf“, weiß Arfmann.
Der Förderverein des Museums und der amerikanische Verein „German Gun Collectors Associaton“ versuchen seitdem, die Pistole an ihren Heimatort zurückzuholen. Doch der jetzige Besitzer erwartet einen Verkaufserlös von mindestens 120.000 Dollar. Arfmann: „Eine utopische Vorstellung. Aber beide Vereine bleiben weiter am Ball.“
An der Sportwaffe blieb Krempel auch nach dem Krieg: Bis 1958 errang er mehrere DDR-Meistertitel mit dem Kleinkaliber. Und er begann, selbst Büchsen zu bauen.
Der spätere Leiter der GST-Waffenwerkstatt, der zudem unzähligen Jugendlichen als Trainer seine Erfahrungen weitergab, schuf unter anderem die KK-Büchsen „Olympia“ und „Krempel“. Beide Kultobjekte sind erstmals seit Langem im Museum zu bewundern.
Sein „Meisterstück“ (Arfmann) gelang dem Thüringer jedoch mit der sogenannten Matchbüchse „Krempel Super“. Bei den Weltmeisterschaften 1966 gewann das als Außenseiter eingestufte DDR-Team auf Anhieb Gold in der Disziplin Freie KK-Büchse stehen – mit einem Weltrekord.
Allerdings: Derzeit ist kein erhaltenes Exemplar des Gewehrs bekannt. Das Museum sucht nach Informationen. Und hofft noch immer auf den Volltreffer.

Michael Voß / 17.08.13 / Thüringer Allgemeine

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